Google Plus – ene mene meck, und du bist Facebook – aktualisiert

By | 01/07/2011

Kürzlich erst mit Google-Buzz gescheitert, scheint Google gelernt zu haben und ist mit seiner neuen Plattform Google Plus zurück, um die schöne neue Social Media Werbewelt zu erobern. Obwohl noch in der Pilotphase mit eingeschränkter Benutzergruppe, konnte Google Plus bereits viele positive Stimmen der ersten User für sich sammeln.

Obwohl Facebook 2010 nicht einmal 10% des Umsatzes von Google erreicht (Google: 19.444 Millionen laut Jahresbericht, Facebook 1.600 Millionen geschätzt laut FT) stellt Facebook dennoch eine ernstzunehmende Bedrohung für die Google-Werbeeinnahmen dar.
Dies ergibt sich aus der Zeit, die sich Menschen im Internet bewegen. Der Trend geht hier ganz klar vom durchsuchbaren World Wide Web hin zu den Social Media Plattformen:

Aus der Grafik wird deutlich, dass sich Menschen immer stärker in den Sozialen Netzen bewegen und somit dem Rest des Webs und damit auch Googles Werbeplattformen “verloren gehen”.

Googles Antwort darauf heißt Google Plus. Googles eigenes soziales Netzwerk in dem vieles anders sein soll. So sind Datenschutz und Schutz der persönlichen Informationen Punkte, die Google Plus mit Veröffentlichung der neuen Plattform besonders hervorhebt. “Man steht zu unterschiedlichen Leuten in unterschiedlichen Beziehungen”, erläuterte der für Softwareentwicklung zuständige Google-Manager Vic Gundotra gestern im Firmenblog. Im richtigen Leben teile man das eine mit Freunden von der Uni, anderes mit den Eltern – “und fast nichts mit dem Chef”, argumentierte er. “Das Problem ist, dass heute jeder im Web den Stempel ,Freund’ aufgedrückt bekommt und das Teilen von Inhalten unter diesem Freundschaftsbrei leidet.”

Google Plus bietet daher die Möglichkeit “Freunde” in spezifische Kategorien (Circles) einzuteilen und Informationen gezielt an diese zu adressieren. Auch Facebook bietet diese Möglichkeit – allerdings versteckter und an mehreren Ecken zu konfigurieren.

Insbesondere der Kommunikationsstil von Facebook dürfte Google Plus Vorteile verschaffen. In der Vergangenheit hat sich der Dienst aus Palo Alto nicht mit Ruhm bekleckert, was den Datenschutz sowie die stillschweigende Einführung diverser Dienste, wie die Gesichtserkennung, angeht. Das Vertrauen vieler User wurde hier sicherlich oft auf eine harte Probe gestellt. Mangels wirklicher Alternativen konnte Facebook viele Entscheidungen aber einfach aus sitzen.

Was spricht also für Google Plus?

Der erste Eindruck der aufgeräumten und übersichtlichen Oberfläche ist gut. Ggf. haben wir dies Andy Hertzfeld zu verdanken, der vor über 30 Jahren die Benutzeroberfläche des ersten Apple Macintosh gestaltete und seit 2005 für Google arbeitet.

Die Integration der einzelnen Google-Dienste wird sich weiter voranschreiten. So wird sicherlich auch der 1+-Button – das Pendant zu Facebooks “Gefällt-mir”-Button noch seine Bewandtnis finden.

Die Einteilung der Kontakte in Kategorien mit denen sich Informationen gezielt austauschen lassen, wurde oben bereits erwähnt.

Nach Eingabe von Suchbegriffen (wie könnte es bei Google auch anders sein) lassen sich anhand der Trefferliste Nachrichtenströme (Sparks/Funken) einrichten, über die ich mich dann mit meinen Kontakten austauschen kann. Hier kann Google mit seinen bestehenden Angeboten YouTube und News bereits auf eine Fülle von Inhalten zurückgreifen.

Hangeout, abgekupfert von Skype, stellt einen Videochat für bis zu 10 User zur Verfügung und eignet sich somit bestens für Videokonferenzen in kleinen Runden. Interessant wird hier vermutlich die Einbindung weiterer Google-Dienste, die das Arbeiten in verteilten Gruppen erleichtern und in Google Plus zusammenführen.

Natürlich darf auch die Chatfunktion nicht fehlen. Und ja, auch diese hat eine neue Terminologie erhalten und hört auf den Namen “huddle”.

2 parallele Plattformen möchten nur die wenigsten Netzwerker bedienen, zumal ein Export der Kontakte von einer Plattform zur nächsten nicht möglich ist. Wer wird also Google Plus zunächst nutzen?

  • Early Adobters und Technikfreaks.
  • Abwanderer von MySpace und den VZ-Plattformen, denen Facebook aus Datenschutzgründen bislang suspekt waren.
  • Facebookuser, denen Facebooks Kommunikationsstil ein Dorn im Auge ist.

Dies könnte genug Potential sein, um Netzwerkeffekte zu erreichen. Andererseits ist Google, oft als Datenkrake verschrieen, vielen Menschen ohnehin schon nicht geheuer. Inwieweit Google Plus erfolgreich sein wird? Wir werden es sehen. Einiges spricht dafür. Zumindest scheint Google aus seinen eigenen Problemen mit Street View und Buzz (hier wurden Kontakte aus Gmail ungefragt eingelesen) gelernt zu haben.

Wie beurteilen Sie das. Hat Google Plus eine Chance, freut die neue Plattform neben Google eigentlich nur die werbetreibende Zunft, für die sich nun noch ein weiteres Netzwerk zum austoben eröffnet oder teilt sich Facebook bald das Schicksal mit MySpace….ene mene meck und du bist weg?

Frohes Netzwerken!

Aktualisierung 03.07.2011
Facebook kündigt diese Woche “etwas Großartiges” an. Der US Technikblog TechCrunch vermutet hinter dieser Ankündigung nun eine Videochatfunktion, die auf dem vor kurzem von Microsoft übernommenen Dienst Skype beruht. Diese Kooperation ist durchaus denkbar, da Skype sein Programm schon seit geraumer Zeit enger mit Facebook verknüpft. Skype-Nutzer können Neuigkeiten aus Facebook importieren oder von Skype aus ihren Status im Netzwerk aktualisieren. Microsoft hält auch Anteile an Facebook – 2007 kaufte der Konzern für 240 Millionen Dollar 1,6 Prozent des sozialen Netzwerks.

Kommt die Videochatfunktion, so hätte Marc Zuckerberg eine schnelle Antwort auf Google Plus Alleinstellungsmerkmal gefunden.

http://www.info-design.de
http://www.social-media-consulting.eu

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Arnd Walendy
Berater für Online-Kommunikation und Social Media

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